#RfPWorldAssembly2019

10. Welt­ver­sammlung

/ Das Projekt

10. Weltver­sammlung von Religions for Peace: Caring for our Common Future

20. bis 23. August 2019

“Caring for our Common Future – Advancing Shared Well-being” war der Titel der 10. Weltversammlung von Religions for Peace, die 2019 in Lindau stattgefunden hat. 

Über 900 Teilnehmende waren dabei: namhafte Repräsentantinnen und Repräsentanten aus dem Christentum, Buddhismus, Islam, Sikh, Baha’i, Judentum, Jainismus, Schintoismus, Taoismus, Zoroastrismus sowie von indigenen Gruppen.

Außerdem waren über 100 Vertreterinnen und Vertreter staatlicher Institutionen, internationaler Nicht-Regierungsorganisationen, zivilgesellschaftlicher Gruppen und gemeinnütziger Stiftungen anwesend.

© Christian Flemming

Globales Netzwerk

Sie alle kamen zusammen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und um länder- und religionsübergreifend zu netzwerken. Die Versammlung diente dazu, positive Beispiele multireligiöser Zusammenarbeiten herauszustellen, einzelne Konfliktsituationen zwischen Religionen zu analysieren und Handlungsspielräume für Friedensgespräche aufzuzeigen.

Eröffnet wurde die Konferenz von Deutschlands Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ab Minute 41.

Die Repräsentantinnen und Repräsentanten der Religionen stellten sich bei der Konferenz auch der eigenen moralischen und sozialen Verantwortung. Sie fragten sich: Was können Religionen in Zeiten von Krieg, Terror und Intoleranz beitragen, um Gerechtigkeit und Gleichheit in Gesellschaften zu fördern?

Und wie können unterschiedliche Glaubensgemeinschaften zusammenarbeiten, damit sie auf globaler Ebene gemeinschaftlich stark handeln und an einem Strang ziehen?

In Podiumsdiskussionen und Workshops tauschten sich die Teilnehmenden vier Tage lang miteinander aus, damit sie sinnvolle Lösungsansätze aus unterschiedlichen Teilen der Erde in ihre Heimatländer zurückbringen konnten.

© Christian Thiel

Weltversammlung bot den Teilnehmenden einen sicheren und neutralen Ort, um unvoreingenommen und respektvoll gegenüber treten zu können. Als Tagungsport besitzt Lindau – direkt neben Österreich und der Schweiz liegend – Symbolcharakter für internationale Zusammenarbeit.

Auch nicht-öffentliche Verhandlungen fanden zur Mediation statt, damit Konfliktparteien frei von Beobachtung und ohne Furcht vor öffentlicher Kritik aufeinander zugehen konnten. Auf diese Weise konnte Religions for Peace bereits bei Konflikten wie zum Beispiel auf dem Balkan, in Westafrika oder auch in Sri Lanka zwischen verhärteten Fronten erfolgreich vermitteln.

© Christian Flemming

Auftakt der 10. Weltversammlung bildeten zwei vorangestellte Konferenzen, die sich konkret mit der Rolle der Frauen und mit der Rolle der Jugend beschäftigten. Die teilnehmenden Frauen und Jugendlichen sollten strategische Handlungspläne entwerfen, die internationale und interreligiöse Zusammenarbeit verbessern sollen.

Während der Konferenz wurde Professor Dr. Azza Karam zur neuen Generalsekretärin von Religions for Peace gewählt als Nachfolgerin von William F. Vendley. Karam ist die erste Frau und die erste Muslimin an der wichtigsten Schaltstelle von Religions for Peace.

© Christian Flemming

Auch die Lindauerinnen und Lindauer, die sich für die Konferenz interessierten, hatten die Gelegenheit, mit den Teilnehmenden in Kontakt zu treten.

Schöner könnte das Sinnbild wohl kaum sein als eine lange, öffentliche  Essenstafel zwischen der evangelischen und katholischen Kirche auf der Lindauer Insel. Hier kamen Lindauer Bürgerinnen und Bürger ins Gespräch mit den Teilnehmenden über ihren Glauben und den Frieden der Welt.

Seit 2019 steht auch der “Ring for Peace” auf der Lindauer Insel, und zwar im Luitpoldpark. Der hölzerne Möbiusring, den der Templiner Künstler Gisbert Baarmann erschaffen hat, ist nun das sakrale Symbol der religionsübergreifenden Friedensgespräche in Lindau.

Am Ende der Konferenz, die vom Auswärtigen Amt finanziert wurde, einigten sich die 900 Teilnehmenden auf eine gemeinsame Erklärung.

Darin heißt es:

… Wir versammeln uns in der Hoffnung, in der Überzeugung, dass das Heilige die ganze Menschheit in die gemeinsame Verantwortung für unser Gemeinwohl, die Sorge füreinander, die Erde und ihr gesamtes Lebensnetz ruft.

… Das höchste Gut ist für uns das Heilige, auch wenn wir es unterschiedlich verstehen. Das Gemeinwohl schließt die Erde mit ihrer Luft, ihrem Wasser, ihrem Boden und ihrem Netz des Lebens ein. 

Die Förderung des Gemeinwohls ist konkret. Wir verpflichten uns, gemeinsames Wohlergehen zu fördern, indem wir:

  1. gewaltsame Konflikte verhindern und transformieren, 
  2. gerechte und harmonische Gesellschaften fördern, 
  3. eine nachhaltige und ganzheitliche menschliche Entwicklung unterstützen und die Erde schützen.

Geleitet von den Prinzipien unserer eigenen religiösen Traditionen und mit Respekt vor religiösen Unterschieden, verpflichten wir uns persönlich, positiven Frieden als gemeinsames Wohlergehen zu fördern. Wir werden Partner mit aufrichtigen Gläubigen anderer Religionen und allen Frauen und Männern guten Willens sein, um:

  • mit dem Institut für Wirtschaft und Frieden positive Friedensmaterialien und Workshops für multireligiöse Kontexte zu produzieren;
  • Werkzeuge und Trainings zur positiven Rolle von Frauen bei der Prävention und Transformation von Konflikten sowie zum Thema Gewalt gegen Frauen zu entwickeln;
  • Verletzungen der Vergangenheit – auch über religiöse Traditionen hinweg – anzuerkennen und öffentliche Akte der Vergebung und Versöhnung zu fördern;
  • sich für das Wohlergehen von Flüchtlingen und Migranten einzusetzen und Programme zur Begleitung und Unterstützung zu entwickeln;
  • Religionsgemeinschaften auffordern, ihre Ressourcen im Einklang mit der Erreichung der SDGs zu investieren;
  • mit der „Interfaith Rainforest Initiative“ und durch die Annahme und Förderung der Faith for Forests Declaration das öffentliche Bewusstsein für die Abholzung der Wälder zu schärfen, Maßnahmen gegen den Klimawandel im Allgemeinen zu ergreifen und für die Einhaltung der SDGs einzutreten gegen den Klimawandel im Allgemeinen und einzusetzen für eine Politik, die die Erde schützt;
  • Versöhnung als eine wesentliche Dimension des positiven Friedens innerhalb von Personen und zwischen Gemeinschaften und Nationen im Sinne der Friedenscharta für Vergebung und Versöhnung;
  • sich verpflichten, als vollwertiger Partner die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen zu unterstützen;
  • eine Allianz der Tugenden zu schmieden, die auf einer Deklaration von Tugenden basiert, die von allen religiösen Traditionen und anderen Tugendtraditionen.

Hier finden Sie die vollständige Deklaration von Religions for Peace aus dem Jahr 2019 zum Download.

Wissenswertes
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Kernthemen

Das waren die Themen, mit denen sich die Teilnehmer der 10. Weltversammlung beschäftigt haben: Potenzial: Effektives Handeln, Gemeinsam gegen Radikalisierung und Eskalation; Klimawandel: Ein existenzielles Thema; Religionen als „Treuhänder des Wissens“ gegen Fake News.

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Fakten und Zahlen

Was ist Religions for Peace? Wo sitzt Religions for Peace? Wer steckt dahinter und welche Ziele verfolgt Religions for Peace? Was sind die Weltversammlungen, wie oft finden sie statt und wer wird dazu eingeladen. All das, was Sie rund um die 10. Weltversammlung von Religions for Peace wissen wollen, finden Sie hier.

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Frauen Vorver­sammlung

Einen Tag vor Beginn der Hauptversammlung trafen sich Repräsentantinnen der Weltreligionen zur Religions for Peace Frauen Vorversammlung. Dieser Event bietet eine entscheidende Plattform zur Reflexion, Diskussion und Mobilisierung hinsichtlich der Rolle der Frau in religionsübergreifenden Kooperationen.

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Jugend Vorver­sammlung

Einen Tag vor Beginn der Generalversammlung trafen sich rund 100 führende Jugendvertreter der Religionen aus sechs regionalen Netzwerken zur Jugendvorversammlung. Junge Menschen sind ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerks Religions for Peace. Sie bringen Energie, Innovation und Einfallsreichtum in die Bewegung.

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Geschichten

Vor 50 Jahren gründeten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Glaubensgemeinschaften Religions for Peace. Ihr Ziel: Frieden schaffen über alle konfessionellen Grenzen hinweg. Ein Blick zurück zeigt, wie sehr sich die Herausforderungen seither geändert haben.